Betriebswirtschaftslehre wird viel spannender, wenn ihr versteht, wie Unternehmen wirklich...
BWR Lernmaterialien für die 11. Klasse - FOS BOS











Grundlagen
Produktionsfaktoren sind die drei Bausteine, die jedes Unternehmen braucht: Arbeit, Betriebsmittel und Werkstoffe. Bei der Arbeit unterscheidet man zwischen leitender Arbeit (Chefs, die planen und organisieren) und ausführender Arbeit (die praktische Umsetzung).
Betriebsmittel sind euer langfristiges Equipment – Maschinen, Computer, Gebäude und Fahrzeuge. Diese Potentialfaktoren stehen dem Betrieb lange zur Verfügung. Werkstoffe hingegen werden verbraucht: Rohstoffe wie Holz, Hilfsstoffe wie Schrauben oder Betriebsstoffe wie Strom.
Unternehmen verfolgen drei Arten von Zielen: wirtschaftliche (Gewinn machen), soziale (faire Behandlung der Mitarbeiter) und ökologische (Umweltschutz). Diese Ziele können sich ergänzen, widersprechen oder völlig unabhängig voneinander sein.
Merktipp: Dispositiver Faktor = der Chef, der Entscheidungen trifft!

Zielbeziehungen
Unternehmensziele stehen in drei verschiedenen Beziehungen zueinander. Konkurrierende Ziele sind echte Problemkinder – wenn ihr eins erreicht, leidet das andere (hohe Qualität vs. günstiger Preis). Indifferente Ziele haben nichts miteinander zu tun (Mitarbeiterentfaltung vs. Umweltschutz).
Komplementäre Ziele sind der Jackpot – sie verstärken sich gegenseitig! Hohe Kundenzufriedenheit führt oft zu mehr Gewinn. Diese Zielharmonie macht das Management viel einfacher.
Damit Ziele messbar werden, braucht ihr drei Komponenten: Zielinhalt (was?), Zielausmaß (wie viel?) und Zeitbezug (wann?). Statt "mehr Produktivität" heißt es dann "20% Produktivitätssteigerung bis Jahresende".
Kennzahlen helfen bei der Erfolgsmessung: Rentabilität zeigt, wie gut euer Eigenkapital arbeitet, Wirtschaftlichkeit vergleicht Ertrag mit Aufwand, und Produktivität misst Output zu Input.
Praxistipp: Gute Ziele sind SMART – spezifisch, messbar, akzeptiert, realistisch und terminiert!

Geschäftsbuchführung vs. Betriebsbuchführung
Die Geschäftsbuchführung ist für Außenstehende da – Finanzamt, Banken und Aktionäre wollen wissen, wie es dem Unternehmen geht. Sie folgt strengen gesetzlichen Regeln und erfasst alle Geschäftsfälle. Die Kosten- und Leistungsrechnung hingegen hilft der Geschäftsleitung bei internen Entscheidungen.
Hier arbeitet ihr mit Kosten statt Aufwendungen und Leistungen statt Erträgen. Das klingt ähnlich, ist aber präziser auf den Betriebszweck ausgerichtet. Die Kostenrechnung zeigt genau, welche Produkte profitabel sind und wo Verbesserungen nötig sind.
Einzelkosten könnt ihr direkt einem Produkt zuordnen – Fertigungslöhne für einen bestimmten Schreibtisch oder das verwendete Holz. Gemeinkosten wie Miete oder Gehälter betreffen mehrere Produkte gleichzeitig und müssen clever verteilt werden.
Eselsbrücke: Einzelkosten = direkt sichtbar, Gemeinkosten = müssen aufgeteilt werden!

Kostenarten- und Kostenstellenrechnung
Die Kostenrechnung beantwortet drei wichtige Fragen: Welche Kosten sind entstanden? (Kostenartenrechnung), Wo sind sie entstanden? (Kostenstellenrechnung), und Wer soll dafür zahlen? (Kostenträgerrechnung).
Der Betriebsabrechnungsbogen (BAB) ist euer Werkzeug zur fairen Verteilung der Gemeinkosten. Manchmal könnt ihr diese direkt zuordnen (Materialentnahmescheine), oft braucht ihr aber Verteilungsschlüssel wie Mitarbeiterzahl oder genutzte Fläche.
Die vier Hauptkostenstellen sind Material, Fertigung, Verwaltung und Vertrieb. In komplexeren Systemen gibt es zusätzlich Hilfskostenstellen wie die Kantine (arbeitet allen zu) oder das Labor (arbeitet nur der Fertigung zu).
Das Kostenstellenschema zeigt den Weg von den Materialkosten über die Fertigungskosten zu den Herstellkosten. Durch Bestandsveränderungen entstehen die Herstellkosten des Umsatzes.
Wichtig: BAB = faire Verteilung der Gemeinkosten auf die Kostenstellen!

Bestandsveränderungen und Normalkosten
Bestandsveränderungen entstehen, weil Produktion und Verkauf selten perfekt aufeinander abgestimmt sind. Bei Bestandsmehrung produziert ihr mehr als verkauft (Lager füllt sich), bei Bestandsminderung verkauft ihr mehr als produziert (Lager leert sich).
Das Problem der schwankenden Ist-Gemeinkosten löst ihr mit Normalkosten – das sind Durchschnittswerte aus der Vergangenheit, bereinigt um außergewöhnliche Effekte. So könnt ihr schon bei der Angebotserstellung realistische Preise kalkulieren.
Überdeckung entsteht, wenn die Normal-GK höher sind als die Ist-GK – euer Angebotspreis war zu hoch. Unterdeckung bedeutet das Gegenteil – ihr habt zu günstig kalkuliert und deckt möglicherweise nicht alle Kosten.
Die Gemeinkostenzuschlagssätze berechnet ihr, indem ihr die jeweiligen Gemeinkosten durch ihre Bezugsgröße teilt und mit 100 multipliziert. Materialgemeinkosten werden auf Fertigungsmaterial bezogen, Fertigungsgemeinkosten auf Fertigungslöhne.
Praxistipp: Normalkosten helfen bei schnellen Angeboten, Ist-Kosten bei der späteren Erfolgskontrolle!

Kostenträgerrechnung
Die Kostenträgerrechnung unterteilt sich in Stückrechnung (Was kostet ein einzelner Schreibtisch?) und Zeitrechnung (Wie profitabel war der letzte Monat?). Je nach Betrieb arbeitet ihr arbeitsintensiv oder maschinenintensiv.
Bei maschinenintensiver Produktion reicht der einfache Fertigungsgemeinkosten-Zuschlagssatz nicht aus. Hier teilt ihr die Fertigungsgemeinkosten in Maschinenkosten und Restfertigungsgemeinkosten auf. Die Maschinenkosten werden über den Maschinenstundensatz verrechnet.
Maschinenkosten entstehen durch kalkulatorische Abschreibungen, Zinsen, Energie und Instandhaltung. Der Wiederbeschaffungswert berücksichtigt die Inflation seit dem Kauf der Maschine. Kalkulatorische Zinsen werden vom durchschnittlich gebundenen Kapital berechnet – das ist die Hälfte der Anschaffungskosten.
Der Maschinenstundensatz entsteht, indem ihr die gesamten Maschinenkosten durch die verfügbaren Maschinenlaufstunden teilt. Von der theoretischen Laufzeit müsst ihr Stillstände und Instandhaltungszeiten abziehen.
Formel-Tipp: Kalkulatorische Zinsen = (Anschaffungskosten × Zinssatz) ÷ (2 × 100)

Das vollständige Kalkulationsschema
Das Kalkulationsschema führt euch systematisch von den Materialkosten zu den Selbstkosten. Fertigungsmaterial plus Materialgemeinkosten ergeben die Materialkosten. Dazu kommen Fertigungslöhne, Restfertigungsgemeinkosten, Maschinenkosten und Sondereinzelkosten der Fertigung.
Die Herstellkosten umfassen alles, was zur Produkterstellung nötig ist. Für die Selbstkosten addiert ihr noch Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten sowie Sondereinzelkosten des Vertriebs wie Frachten oder Verpackung.
Sondereinzelkosten sind besondere Einzelkosten, die nur bei bestimmten Aufträgen anfallen – Spezialwerkzeuge in der Fertigung oder Sonderverpackung im Vertrieb. Diese könnt ihr direkt zuordnen, sie sind aber nicht bei jedem Produkt dabei.
Das Schema funktioniert wie ein Baukasten: Jede Kostenart hat ihren festen Platz, und am Ende wisst ihr genau, was euer Produkt wirklich kostet. Diese Vollkostenrechnung bildet die Basis für eure Verkaufspreise.
Erfolgsformel: Materialkosten + Fertigungskosten = Herstellkosten + Verwaltung/Vertrieb = Selbstkosten!



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Die Geschäftsbuchführung ist für Außenstehende da – Finanzamt, Banken und Aktionäre wollen wissen, wie es dem Unternehmen geht. Sie folgt strengen gesetzlichen Regeln und erfasst alle Geschäftsfälle. Die Kosten- und Leistungsrechnung hingegen hilft der Geschäftsleitung bei internen Entscheidungen.
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Einzelkosten könnt ihr direkt einem Produkt zuordnen – Fertigungslöhne für einen bestimmten Schreibtisch oder das verwendete Holz. Gemeinkosten wie Miete oder Gehälter betreffen mehrere Produkte gleichzeitig und müssen clever verteilt werden.
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